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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 29.07.2021 um 05.16 Uhr verfaßt.

Die Pandemie zeigt im Zeitraffer, wie Evolution funktioniert und was es bedeutet, daß Arten "aussterben". Zu Zeit ist es die Delta-Variante, die innerhalb von Wochen alles dominiert. Die anderen "sterben aus", was kein Sterben im eigentlichen Sinn bedeutet (soweit man bei Viren überhaupt von Leben sprechen kann), sondern einfach einen Vorsprung bei der Reproduktion innerhalb derselben ökologischen Nische (nämlich uns).
So kann es auch mit den Varietäten des Menschen gewesen sein. Es gab allezeit nur sehr wenige Menschen auf der Erde. Da konnte es leicht passieren, daß etwa die Neandertaler über die Jahrtausende hin immer weniger wurden und dann verschwanden, vielleicht nachdem sich manche auch mit anderen Varietäten wie dem Sapiens gepaart hatten. Niemandem wurde über das übliche Maß hinaus Gewalt angetan, sie wurden nicht persönlich ausgetilgt wie die Juden von den Nazis.


Theodor Ickler zu »Intentionalität und Sprache«
Dieser Kommentar wurde am 29.07.2021 um 04.49 Uhr verfaßt.

Die Möglichkeit der Kommunikation ist abgestuft, ebenso die Personhaftigkeit. Manche Autoren ziehen es vor, von Agentivität zu sprechen. „Humans have a tendency to believe in agency (...) An agent is a thing that deliberately does something for a purpose.“ (Richard Dawkins: Outgrowing God 227; mit „deliberately“ und „purpose“ ist die Intentionalität gleich doppelt benannt.) Wie Dawkins ausführt, kann ein Rascheln im Gras der Savanne auf den Wind oder auf einen Löwen hindeuten. Vorsicht ist überlebensdienlich. Mit einem Löwen kann man zwar nicht in einen (wortsprachlichen) Dialog eintreten, man kann aber bis zu einem gewissen Grad mit ihm kommunizieren: ihn täuschen, abschrecken, ablenken. Die Grenze zur vollständigen Personifizierung ist gegenüber höheren Tieren fließend.



Theodor Ickler zu »Schwarzrotgold«
Dieser Kommentar wurde am 29.07.2021 um 04.32 Uhr verfaßt.

Jemand fordert, das ganze deutsche Schul- und Hochschulwesen so umzubauen, daß Sportler künftig wieder mehr Medaillen "für Deutschland" holen und "wir" nicht von den USA und China abgehängt werden. Davon soll unser Nationalstolz abhängen? Eher sollten wir stolz darauf sein, daß Biontech soviel Ruhm "für Deutschland" erworben hat (übrigens unabhängig von Trumps Warp Speed, was unsere Medien im Troß der amerikanischen beinahe täglich verschleiern). Übrigens arbeitet Biontech jetzt an einem Malariaimpfstoff auf der gleichen Grundlage (mRNA), außerdem weiterhin an Krebs, dem ursprünglichen Hauptthema der Firma. Ich erwarte viel davon.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 29.07.2021 um 03.37 Uhr verfaßt.

Der normale Unterschied zwischen Volks- und (konservativer) Bildungssprache ist aber doch nicht vergleichbar mit der gegenwärtigen Sprachspaltung.


Germanist zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 29.07.2021 um 01.41 Uhr verfaßt.

In Rom sprachen die Bürger das "Bürgerlatein", das in den romanischen Sprachen überlebt hat. Das "klassische" Latein wurde geschrieben und im Senat gesprochen.


Manfred Riemer zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 28.07.2021 um 23.24 Uhr verfaßt.

zu #46632, Herr Fleischhauer:
"In einer Welt, in der Leute sich durch Negerküsse beleidigt fühlen"

So eine Welt, denke ich, haben wir nicht.
Wir haben eine Welt, in der Leute glauben, sich wegen Negerküssen schämen oder fremdschämen zu müssen.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 28.07.2021 um 21.40 Uhr verfaßt.

Meinen Sie das Humanistenlatein als Schul- und Hochschulsprache? Das war aber doch kein willkürlich verhunztes, und das Volk sprach auch längst kein Latein mehr. Aber vielleicht haben Sie ein anderes "Damals" im Sinn?


Germanist zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 28.07.2021 um 21.18 Uhr verfaßt.

Es gibt jetzt also zwei hochdeutsche Sprachen: Das "normale" Hochdeutsch, das von den Menschen gesprochen wird, und das "Gender-Hochdeutsch", das in der Schule gelehrt wird. Beim Latein hat es damals genauso angefangen.


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 28.07.2021 um 17.11 Uhr verfaßt.

Ein Gericht hat sich nach Jahren endlich dazu durchgerungen, die Strafbarkeit von Cum-Ex-Geschäften festzustellen.
Der Fall ist auch für uns lehrreich. Es ist grundsätzlich unmöglich, einen Text so eindeutig zu formulieren, daß nicht ein Jurist darin eine "Lücke" ausfindig machen könnte. Die Hermeneutik kennt das. In der Rechtswissenschaft wird stets betont, daß es darauf ankommt, den Gesetzeszweck zu berücksichtigen und den Willen des Gesetzgebers gegebenenfalls auch historisch zu rekonstruieren. Der Buchstabe muß gelegentlich zurückstehen.
Wer sich Steuern erstatten läßt, die er gar nicht gezahlt hat, begeht ein Verbrechen und weiß es auch - daher die Verschleierung.

Man könnte die dumme Geschichte mit den tabuisierten Wörtern vergleichen. Der überzeugte Antirassist kann das N-Wort noch so heftig verurteilen - wenn er es zitiert, hat er schon verloren: Sieg des Buchstabens über den Geist.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 28.07.2021 um 16.46 Uhr verfaßt.

Wir sehen immer die gleiche Autoritätsgläubigkeit, Verantwortungsscheu, den Verzicht aufs eigene Denken.
Als die Zeitungsverleger die Rechtschreibreform durchsetzen wollten, beriefen sie sich auf die Vorgaben der dpa (die ihnen gehörte), während die dpa sich auf die Wünsche der Zeitungsverleger berief. Das haben beide mir seinerzeit schwarz auf weiß gegeben.
Was das Gendern betrifft, so höre ich ständig: Es gibt eine Partei, die das ablehnt. - Kein guter Grund, die Rechtsextremen zu wählen, aber immerhin ein Grund. Man sollte die Wut der Bürger nicht unterschätzen. Gerade bei einer solchen Nebensache ist es sehr riskant, gegen das Volk zu regieren.
Freie Texte werden niemals gegendert sein, die unfreien aus der Schule werden also immer kraß an der Allgemeinsprache vorbeigehen und Tag für Tag eine schulspezifische, ideologische Sondersprache vorführen. Und wie steht es mit Sanktionen (Noten)? Weiß diese Frau, was da auf sie zukommt?


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 28.07.2021 um 16.09 Uhr verfaßt.

Das grüne Kultusministerium von BW will in den Schulen gendern lassen:

„Der Rechtschreibrat habe den Asterisk („Gender-Stern“) oder den Unterstrich („Gender-Gap“) nicht in sein Regelwerk aufgenommen, ihn aber auch nicht als falsch verboten. Diese Regelungslücke macht sich das Ministerium offenbar zunutze.“ (FAZ 28.7.21)

Man sieht hier, wie solche Dinge laufen. Der Rechtschreibrat kann den Kultusministern Vorschläge machen, mehr nicht. Die Kultusminister können sich weder auf den Rat noch auf Lücken in dessen Empfehlungen berufen, um sich selbst vor einer Entscheidung zu drücken.

Nur weiter so, Frau Minister! Wer nicht hören will, muß fühlen (beim Stimmenzählen). Anders geht es nicht.


Ivan Panchenko zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 28.07.2021 um 13.21 Uhr verfaßt.

Frage: Haben wir es bei der Azubi/die Azubi wirklich mit Differentialgenus zu tun oder vielmehr mit zwei unterschiedlichen, homonymen Wörtern? Können die Pluralformen Ahnen, Azubis und Hindus eine geschlechtsspezifische Bedeutung (weiblich) haben, da man im Singular die Ahne, die Azubi etc. sagen kann? Setzt die Geschlechtsneutralität von Ahnen im Plural das generische Maskulinum (DER Ahne) voraus? Wie sieht es mit substantivierten Adjektiven aus, könnte Vorsitzende gar als Pluraletantum (→ vorsitzende Leute) verstanden werden?


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