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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »"Bildungssprache"«
Dieser Kommentar wurde am 21.01.2020 um 09.43 Uhr verfaßt.

Gerhard Augst erklärt fünf Bildungswörter:

https://www.youtube.com/watch?v=1LRkSboN2_Y

Aber was bedeutet das sechste ("Hehehehe")?


Theodor Ickler zu »Lug und Trug«
Dieser Kommentar wurde am 21.01.2020 um 09.34 Uhr verfaßt.

Der österreichische Germanist Robert Saxer, ein besonders heftig argumentierender Reformunterstützer, erfand einige neue Bezeichnungen:

Bis 1998 gibt es eine Pilotphase – in Österreich geprägt durch intensive einschlägige Lehrerfortbildungsaktivitäten –, bis zum Jahr 2005 eine Simultanphase, in der alte und neue Schreibung nebeneinander existieren; ab 2005 gilt nur mehr die neue Schreibung. („Die Rechtschreibreform. Ihre Folgen – ihre Verfolger“. Informationen zur Deutschdidaktik 1/1997)

In Wirklichkeit wurde zum Beispiel an den bayerischen Schulen die Reform schon 1996 mit aller Macht eingeführt (von sehr unsicheren Lehrern), wie ich als Vater einer damals grundschulpflichtigen Tochter bezeugen kann.

Aber "Pilotphase" und "Simultanphase" sind wirklich hübsch.


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 21.01.2020 um 06.58 Uhr verfaßt.

Gestern brachte die FAZ einen langen Artikel über die Neuordnung Europas nach dem Ersten Weltkrieg (Pariser Konferenz). Darin wurde gezeigt, wie wenig die immer müder werdenden Politiker der Siegermächte von dem Gebiet wußten, über das sie entscheiden sollten. Folglich kamen die Geographen und anderen Experten zum Zuge. Mich erinnert das an die Rechtschreibreform: Keiner der Kultusminister und Ministerpräsidenten hatte eine Ahnung von Rechtschreibung, zum Zuge kamen die Experten, die den Fuß in der Tür hatten, d.h. sich das Gehör der Ministerialräte zu verschaffen gewußt hatten. Natürlich waren das die Reformaktivisten. Man kann das mit dem klassischen Lobbyismus vergleichen, auch wenn die Reformer überwiegend keine wirtschaftlichen Interessen hatten, sondern nur den Ehrgeiz eines Gerhard Augst (von ihm selbst so dargestellt).


Theodor Ickler zu »Weltuntergang steht bevor!«
Dieser Kommentar wurde am 21.01.2020 um 06.13 Uhr verfaßt.

Danke, ja! Weiß nicht, wieso ich es nicht elbst gefunden habe.

Immer noch lesenswert, weil da alles beisammen ist, sogar dies:

Natürlich kann darüber diskutiert werden, ob es sinnvoll ist, dieses besondere Merkmal der deutschen Sprache, das(ss) sie von anderen europäischen Sprachen abhebt, beizubehalten.

Also schon 1997 macht Saxer den Fehler, den wir für die Heysesche s-Schreibung vorausgesagt haben.

Auch die Majonäse fehlt nicht.

Der Tonfall ist im Laufe der nächsten Jahre immer wilder geworden, auch wilder als bei Földes, mit dem er sich die Bälle zuspielte.


Gast zu »Weltuntergang steht bevor!«
Dieser Kommentar wurde am 20.01.2020 um 23.49 Uhr verfaßt.

Saxers Beitrag von 1997 ist vielleicht dieser?

https://ide.aau.at/wp-content/uploads/2019/01/1997-1.pdf


Theodor Ickler zu »PISA«
Dieser Kommentar wurde am 20.01.2020 um 18.40 Uhr verfaßt.

Wer zur Bundespolizei will, darf künftig beim Deutschtest mehr Fehler machen. (...)
Bei den Sprachfertigkeiten von Bewerbern wurde außerdem die Fehlertoleranz im Diktat für das Auswahlverfahren mittlerer Dienst "geringfügig angehoben". Zum Beispiel wurde das Wort "Chrysantheme" herausgenommen, um einem größeren Bewerberkreis auch in den nachfolgenden Tests die weitere Teilnahme zu ermöglichen.
(Tagesschau 20.1.2020)


Theodor Ickler zu »Lug und Trug«
Dieser Kommentar wurde am 20.01.2020 um 18.32 Uhr verfaßt.

Auf Täuschung ist auch die Formel „Regeln und Wörterverzeichnis von 1996 in der Fassung von 2004“ (im Statut des Rates und an hundert anderen Stellen) angelegt. Sie imitiert den Wortlaut von Gesetzen und ihrer Novellierung. Man tut so, als handele es sich immer noch dieselbe Reform. Davon kann keine Rede sein, wie an wenigen Beispielen gezeigt werden soll. Im Sommer 2005 wurde festgelegt, welche Schreibweisen ausschließlich richtig sein sollten. Darunter folgende, im Sommer 2006 schon wieder überholte Einzelheiten:
zu Eigen machen (2006 wieder ausschließlich klein)
dein usw. in Briefen (2006 auch wieder groß)
jenseits von gut und böse (2006 wieder ausschließlich groß)
der letzte Wille, die erste Hilfe (2006 auch wieder groß)
Pleite gehen (2006 pleitegehen, ebenso bankrottgehen, das nicht angeführt ist)
Recht haben, Unrecht haben (2006 auch wieder klein)

Großschreibung ist keine andere „Fassung“ von Kleinschreibung, Zusammenschreibung keine „Fassung“ von Getrenntschreibung. 2006 wurde – nach zehn Jahren entsprechender Indoktrination der Schüler – verfügt, daß einzelne Vokalbuchstaben nicht mehr abgetrennt werden dürfen. Auch das ist keine andere „Fassung“ der gegenteiligen Bestimmung.
In Wirklichkeit handelt es sich um eine Reihe von Rechtschreibreformen in kurzen Abständen, erkennbar an immer neuen Wörterbüchern. In verstreuten Übersichten, darunter studentischen Qualifikationsarbeiten, sind die Änderungen von Reform zu Reform nachgezeichnet; für den betroffenen Bürger und auch für die Kultusministerien ist der Überblick längst verlorengegangen.


Theodor Ickler zu »Weltuntergang steht bevor!«
Dieser Kommentar wurde am 20.01.2020 um 17.33 Uhr verfaßt.

Saxers Text (der Verfasser ist inzwischen verstorben) von 2004:

Rechtschreibreform: Die Schlacht auf dem Wörterfeld
Diskussionsstand: Anfang September 2004
SAXER, Robert: Rechtschreibreform: Die Schlacht auf dem Wörterfeld. Diskussions-stand Anfang September 2004. In: Informationen zur Deutschdidaktik. Aktuelles. www.uni-klu.ac.at/die/saxer.pdf, p. 1-5;
Das letzte Gefecht der Verhinderer
 
Das Jahr 2005 naht und die Gegner der Rechtschreibreform geraten in Torschlusspanik. Während in Schulen, Ämtern und Printmedien die neue Rechtschreibung kontinuierlich verwendet und vermittelt wird, haben die Reformgegner offensichtlich acht Jahre lang darauf gewartet, dass Kaiser Barbarossa je nach nationaler Zugehörigkeit aus dem Kyffhäuser oder aus dem Untersberg bei Salzburg rechtzeitig hervorbricht – mit seinem mittlerweile dreimal um den Tisch gewachsenen Bart - und mit seinem Kriegsschrei die gute alte Rechtschreibordnung wiederherstellt. Das Erschreckende an der gegenwärtigen Diskussion ist die Tatsache, dass sich seit 1996 nichts geändert hat - sie entspricht spiegelgleich den damaligen Auseinandersetzungen: Die Reformgegner verhalten sich emotional, aggressiv und argumentationslos. Wo sie zu argumentieren glauben, hängen sie sich – häufig in polemisch verzerrter Form - an Marginalien wie den ‚Tollpatsch’, die ‚Gämse’ oder die drei aufeinander folgenden Konsonanten; oder sie reagieren mit Kulturjammer, unüberprüften und oft falschen Behauptungen und unsachlichen Vorwürfen wie Geschäftemacherei, Beamtenunterwürfigkeit, ideologische Linkslastigkeit u.a. Die strukturellen Änderungen und Fortschritte in den Bereichen der Groß-/Kleinschreibung, der Getrennt-/Zusammenschreibung, der Zeichensetzung und der Worttrennung am Zeilenende sind fast spurlos an ihnen vorbeigegangen. Sie beklagen die Verwirrung und Verunsicherung, die sie zuvor selbst herbeigeführt haben. Ein Fortschritt in der Diskussion ist nicht in Sicht. Im Gegensatz dazu wird im Ausland im Fachbereich Deutsch als Fremdsprache die Reform von Deutschlehrern und wissenschaftlichen Beurteilern durchaus sachlich gesehen und an konkreten Details analysiert, wie etwa der Beitrag eines ungarischen Germanisten zeigt (siehe Literaturverzeichnis: Csaba Földes vom Germanistischen Institut der Universität Veszprém).
 
Ungeachtet dessen wächst Barbarossas Bart weiter: Gleichzeitig mit den geplanten offiziellen Vorbereitungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, die Zwischenstaatliche Rechtschreibkommission durch einen ‚Rat für deutsche Rechtschreibung’ zu ersetzen, der in Hinkunft für eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Rechtschreibung sorgen soll, wurden in verschiedenen Regionen Deutschlands (u.a. München, Hamburg, Niedersachsen) und auch in Österreich Initiativen und Organisationen mit dem erklärten Ziel der Rückkehr zur alten Rechtschreibung ins Leben gerufen - zum Teil ebenfalls unter dem Namen ‚Rat für deutsche Rechtschreibung’: offensichtlich ein Akt weiterer Verwirrungsstiftung. Die Gründungsversammlung des Münchner ‚Rates’ erklärte sinnwidrig und erwartungsgemäß ohne Argumentation, „die Rückkehr zur alten Rechtschreibung...sei der einfachste, sicherste und wirtschaftlich vernünftigste Weg zu einer zweckmäßigen und modernen (sic!) Orthographie“.
 
Die Vorarbeit der Reformer
 
Die Ursachen für diesen Zustand liegen nicht nur in einem gestörten Verhältnis der Öffentlichkeit und ihrer Vorzeige-Repräsentanten zur Rechtschreibung und ihrem gesellschaftlichen Stellenwert, sondern zu einem guten Teil bei den Experten der Zwischenstaatlichen Rechtschreibkommission selbst, die ihren Gegnern das Material für den Gegenangriff förmlich vor die Füße gelegt haben. Zum einen ist es die Halbherzigkeit und teilweise Inkonsequenz der Reform, was man den Reformern freilich nicht vorwerfen kann, da sie diesbezüglich von den Vertretern der Politik – teils aus deren konservativ-beharrender Sprachauffassung, teils aus deren Angst vor der vermuteten ‚Stimme des Volkes’, d.h. vor ihrer potenziellen Wählerschaft heraus – in ihrem Reformeifer eingebremst wurden. Zum anderen aber  sind es zwei Sachverhalte, die die Reformer zur Gänze selbst zu verantworten haben: die textuelle und sprachliche Gestaltung des amtlichen Regelwerks und die Sache mit den sogenannten ‚Einzelfestlegungen’.
 
3. Das amtliche Regelwerk
 
Im Text der amtlichen Regelung überlappen sich zwei Textsorten: der in Paragrafen  gegliederte Gesetzes- bzw. Verordnungstext und die Struktur eines wissenschaftlichen Sachtextes mit Vorbemerkungen und Zwischentiteln. Und gerade in den beiden wichtigsten Kapiteln – über die Getrennt-/Zusammenschreibung und über die Groß-/Klein-Schreibung - sind die beiden Textsorten  in verwirrender und unübersichtlicher Form ineinander verflochten, zum Teil unterbrochen durch umfangreiche und mangelhaft gegliederte Beispielkomplexe und zusätzlich durch den Dschungel des ‚Kleingedruckten’. Einfache und klare Regularitäten werden durch die komplizierte Darstellung so überlagert, dass man den Blick für die Systematik verliert. Ein klassisches Beispiel ist die an und für sich klare und eindeutige ‚ss-ß’-Regelung (Nach kurzem Vokal steht ‚ss’, nach langem Vokal und Diphthong ‚ß’): Diesen Satz findet man im Regelwerk nicht, man muss sich diese Regel aus zwei Paragrafen – u.a. aus einem kleingedruckten Verweis in Anmerkung – mühsam zusammenreimen.
 
Natürlich löst die zum Teil auch für Fachleute sehr schwierige Lesbarkeit  den frustrierenden Eindruck aus, dass die reformierte Rechtschreibung wirrer und komplizierter sei als die alte, und fordert zudem den Vorwurf heraus, die Sprache werde von amtlicher Seite von oben her dekretiert und gewissermaßen ‚verwaltigt’.
 
4. Die Einzelfestlegungen
 
Die auf die Laut-Buchstaben-Zuordnung bezogenen Einzelfestlegungen – im Wesentlichen die Neuschreibung von Wörtern, v.a. auf der Grundlage des ‚Stammprinzips’ – sind Neuerungen, die einfach nicht notwendig gewesen wären, weil sie auch dem Prinzip der klaren und vereinfachenden Strukturbildung  widersprechen. Während das ‚Lautprinzip’, das ohnehin schon komplex genug ist, als generelle Grundlage der Rechtschreibung den Sprachbenutzern einsichtig ist, wird das ‚Stammprinzip’ tröpferlweise bei einer kleinen Zahl von Wörtern aus etymologischen Gründen angewandt, zum Teil beruhend auf fragwürdigen etymologischen Auffassungen. Das erzeugt den Eindruck willkürlicher Auswahl und zeigt im Grunde die Absurdität etymologischer  Disziplinierung der schriftlichen Darstellung einer Sprache, deren Verschriftlichung primär auf der mündlichen Lautung aufgebaut ist. Das Stammprinzip bringt im Hinblick auf die Laut-Buchstaben-Zuordnung dementsprechend keine Vereinfachung, sondern schafft Verwirrung und ist eher Ausfluss eines bildungsbürgerlichen Erklärungsdranges.
 
Gerade diese unnotwendigen Einzelfestlegungen aber haben in den letzten Jahren bis heute die Diskussion weitestgehend bestimmt, sowohl in Angriff wie Verteidigung. Hätte man diese Wörter in ihrer alten Schreibweise belassen – mehr als 80% der bisherigen Diskussionen hätten nicht in der Form, wie sie abgelaufen sind, stattfinden können; man wäre vielmehr gezwungen gewesen, sich in erster Linie mit den strukturellen Änderungen bzw. Vereinfachungen der Reform auseinander zu setzen. Und das wäre ein echter Fortschritt gewesen.
 
Und wie soll es weitergehen?
 
·         Die Reform mit ihren vereinfachten Regeln muss konsequent weitergeführt werden, alles andere würde zu Verwirrung in unkontrollierbarem Ausmaß führen; nicht zuletzt deshalb, weil Ende August 2004 die neueste Auflage des Rechtschreib-Duden auf der Basis der reformierten Rechtschreibung erschienen ist. Dementsprechend will auch der geplante offizielle ‚Rat für deutsche Rechtschreibung’ die „Entwicklung des Schriftgebrauchs beobachten und das Regelwerk gegebenenfalls dort anpassen, wo es notwendig ist“. Unsicherheiten und Verwirrungen, die durch das bisherige Nebeneinander von alter und neuer Schreibung bedingt sind, werden ab 2005, dem Beginn der alleinigen Geltung der neuen Schreibung,  abklingen. 
·         Dazu wäre es freilich auch notwendig, den Text des amtlichen Regelwerks neu, d.h. klarer, übersichtlicher und strukturierter zu fassen und überdies klar zu machen, was eine bindende ‚Verordnung’ und was lediglich eine kodifizierende Darstellung der Regeln ist. Das wäre eine Aufgabe des ‚Rates für deutsche Rechtschreibung’ im Sinn der oben genannten Absichtserklärung. Da dies freilich bei dem trinationalen Unternehmen auch  größere Verfahrens-Schwierigkeiten mit sich bringen könnte, wäre eventuell  zu überlegen, ob nicht für Österreich auf der Basis des amtlichen Regelwerks ein eigenes Projekt entwickelt werden sollte: einerseits ein kurzer und prägnanter Verordnungstext, der als Rahmenverordnung die wesentlichen Grundlagen enthält, andererseits als Ergänzung dazu ein nicht-amtliches Regelwerk als Kommentar oder noch besser als eigene Publikation, die man zum Beispiel dem Österreichischen Wörterbuch anstelle des bisherigen amtlichen Textes anfügen könnte.       
·         Ein Ziel der Bildungspolitik muss es in diesem Zusammenhang sein, die Menschen an eine offene, unverkrampfte und liberale Haltung der eigenen Sprache gegenüber zu gewöhnen, getragen vom Bewusstsein, dass im Bereich produktiver Sprachgestaltung durch die Gelegenheit zur orthografischen Variantenbildung neue stilistische Ausdrucksmöglichkeiten geschaffen werden und dass man im rezeptiven Bereich zumindest über Jahrzehnte hinaus - z.B. in der  Belletristik und in pragmatischen  Sachtexten - mit älteren Texten aus der Zeit vor der Reform konfrontiert sein wird, die ja aufgrund der ‚sanften Reform’ ohne Probleme auch für den Durchschnittsleser lesbar geblieben sind. Dadurch könnte auch die verhängnisvolle gesellschaftliche Rolle der Rechtschreibung als Maßstab für die Persönlichkeitsbeurteilung abgebaut und das Bewusstsein dafür entwickelt werden, dass die Rechtschreibung nicht ‚die deutsche Sprache’, sondern deren unterste Ebene ist. 
 
LITERATUR:
·         Deutsche Rechtschreibung. Regeln und Wörterverzeichnis. Text der amtlichen Regelung. Hrsg. vom  Internationalen Arbeitskreis für Orthografie, Institut für deutsche Sprache, Mannheim. – Gunter Narr Verlag: Tübingen 1996
·         Gallmann, Peter; Sitta, Horst: Die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung. Regeln, Kommentar und Verzeichnis wichtige Neuschreibungen. Dudenverlag: Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 1996 (Duden-Taschenbücher, Bd.26)
·         Duden. Die deutsche Rechtschreibung. 23., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Hrsg. von der Duden-Redaktion auf der Grundlage der neuen amtlichen Rechtschreibregeln (= Duden Band 1). Dudenverlag: Mannheim, Leipzig, Zürich, Wien 2004
·         Földes, Csaba: Die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung im Kontext von Deutsch als Fremdsprache und Auslandsgermanistik. In: Deutsch als Fremdsprache 37 (2000) 4; S.199-209 (http:// www.vein.hu/german/reform.html)
·         Saxer, Robert: Die Rechtschreibreform – Ihre Folgen – Ihre Verfolger. In: Informationen zur Deutschdidaktik (‚ide’), Heft 1/1997, S.62-77
·         Cornelia Niedermeier: Für ein Ende der Kriminalisierung. Zwei „Räte für deutsche Rechtschreibung“. ‚Der Standard’  vom 24. August 2004, S.24.
 
Robert Saxer
Leiter des Universitätslehrgangs ‚Deutsch als Fremd- und Zweitsprache’ und des Sprachzentrums ‚Deutsch in Österreich’ an der Universität Klagenfurt
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Dieser Beitrag erscheint in Nr. 4/2004 der „Informationen zur Deutschdidaktik. Zeitschrift für den Deutschunterricht in Wissenschaft und Schule –‚ide’“  und befindet sich ab 12. September 2004 auf der Homepage:
www.uni-klu.ac.at/daf: Fachbereich Deutsch als Fremdsprache am Institut für Germanistik der Universität Klagenfurt
 
 
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Leider kann ich Saxers Beitrag von 1997 nicht im Netz finden - kann jemand helfen? ( Die Rechtschreibreform – Ihre Folgen – Ihre Verfolger. In: Informationen zur Deutschdidaktik (‚ide’), Heft 1/1997, S.62-77)

Wie gesagt, aus dem Abstand einiger Jahre liest sich alles entwas anders, aber der wüste Ton suchte schon damals seinesgleichen. Ähnlich u. a. im Standard 21./22.8.2004. Und solche Leute mahnen die Kritiker zur Sachlichkeit!

Saxer fand ja von Anfang an die neue s-Schreibung besonders gelungen und schreibt dazu:

Einfache und klare Regularitäten werden durch die komplizierte Darstellung so überlagert, dass man den Blick für die Systematik verliert. Ein klassisches Beispiel ist die an und für sich klare und eindeutige ‚ss-ß’-Regelung (Nach kurzem Vokal steht ‚ss’, nach langem Vokal und Diphthong ‚ß’): Diesen Satz findet man im Regelwerk nicht, man muss sich diese Regel aus zwei Paragrafen – u.a. aus einem kleingedruckten Verweis in Anmerkung – mühsam zusammenreimen.

Leider ganz verkehrt und durch jahrelange Wiederholung nicht richtiger geworden.




R. M. zu »Topten«
Dieser Kommentar wurde am 20.01.2020 um 07.12 Uhr verfaßt.

Laut Duden auch weiterhin das Déjà-vu, obwohl es doch um »das Gesehene« geht.


Ivan Panchenko zu »Topten«
Dieser Kommentar wurde am 19.01.2020 um 18.34 Uhr verfaßt.

„Außerdem ergibt sich aber die Merkwürdigkeit, daß das Kardinalzahlwort im Englischen offenbar ein Substantiv sein soll, im Deutschen aber nicht, denn hier heißt es ja weiterhin die besten zehn (aber die zehn Besten).“

Eine Besonderheit ist: Man kann nicht nur zu den Top 10 gehören sagen, sondern auch in den Top 10 landen. Im letzteren Fall bedeutet Top 10 nicht wörtlich ‚beste zehn‘, sondern steht für eine Liste. Bei der traditionellen Schreibweise Top ten wird die Wortgruppe ja auch als substantivisch behandelt.


Ivan Panchenko zu »„Stringent“«
Dieser Kommentar wurde am 19.01.2020 um 18.04 Uhr verfaßt.

Stellungnahme von Dr. Bopp (canoonet) zu Tête-à-Tête: „Die Kleinschreibung des zweiten ‚tête‘, wie sie im amtlichen Wörterverzeichnis steht, kann dadurch begründet sein, dass ‚tête à tête‘ im Französischen eine adverbiale Wendung ist und dass Substantive gemäß §55 E2 in fremdsprachigen adverbialen Wendungen kleingeschrieben werden. Die[s] gilt auch, wenn die adverbiale Wendung substantiviert ist. […] Im Gegensatz zu ‚à discrétion‘ […] ist ‚tête à tête‘ […] im Deutschen aber veraltet/unüblich. Canoonet und offenbar auch andere Wörterbücher geben deshalb die Großschreibung des zweiten ‚Tête‘ an. Es ist aber so, dass wir auch angeben sollten, welches die Schreibung in der amtlichen Wörterliste ist.“

Andererseits akzeptiert Duden neben Printing-on-Demand auch Printing-on-demand, vielleicht weil das keine Wortgruppe ist (in § 55(3) geht es um mehrteilige Fügungen und unter einer Fügung wird ja oft eine Wortgruppe verstanden, doch wenn da schon extra „mehrteilig“ steht, geht es vielleicht allgemein um Konstruktionen aus mehreren Teilen), sondern ein einzelnes Wort (man beachte die Bindestriche). Bopp lieferte eine andere Begründung: „In ‚on demand‘ ist ‚demand‘ ein Substantiv (-> Großschreibung ‚Printing-on-Demand‘). Man könnte aber auch argumentieren, dass ‚on demand‘ eine adverbiale Wendung ist (-> Kleinschreibung ‚Printing-on-demand‘), wofür wir aber nicht plädieren. Es gäbe auch Argumente für die Getrenntschreibung ‚Printing on Demand‘ und ‚Printing on demand‘.“

Ich plädiere für Getrenntschreibung, im Englischen kann man zwar print-on-demand service schreiben (attributive Verwendung), schreibt aber print on demand. Rock and Roll soll im Deutschen doch auch nicht mit Bindestrichen geschrieben werden. Printing on demand mit demand in Kleinschreibung wäre konstruierbar aus Printing als einzeln entlehntes Wort und on demand, was aber nicht so naheliegend ist, Printing ist kein so geläufiger Anglizismus. (Klarstellung zu #42505: Duden online hat Face-to-Face-Kommunikation, im Rechtschreibduden ist das Wort nicht verzeichnet.)

Bei die oberen zehntausend/Zehntausend habe ich zu kurz gedacht, man könnte durchaus von den oberen zehntausendEN reden (die paar zehntausend im oberen Bereich), wobei Nathaniel Parker Willis von the upper ten thousand statt von the upper tens of thousands sprach und die letztgenannte Variante im Englischen seltener ist. Dennoch: Wenn ich die oberen zehntausend ohne weitere Qualifikation wie paar gebrauche, dann kann zehntausend doch gar nicht für mehrere zehntausend (unbestimmtes Vielfaches von 10 000) stehen, sondern nur für 10 000, oder? Wenn das so ist (ansonsten wäre das ja mehrdeutig), steht die Schreibweise die oberen Zehntausend in reformierter Rechtschreibung auf wackeligen Füßen.


Ivan Panchenko zu »Noch Mal«
Dieser Kommentar wurde am 19.01.2020 um 17.59 Uhr verfaßt.

Für ein paarmal in Reformschreibung ist mir doch noch eine Begründung in den Sinn gekommen: Laut Duden wird paarmal landschaftlich auch ohne ein verwendet (etwas paarmal wiederholen). Während ein Dutzend Mal eine andere Bedeutung hat als dutzendmal, ist paarmal gleichbedeutend mit ein paar Mal, das könnte ein Grund sein, ein paarmal so zu behandeln wie ein wenig. (Na ja.)

Unter korrekturen.de findet sich paarmal zwar in der Spalte „Heutige Rechtschreibung seit 2004/2006“, aber nicht in der Spalte „Reformschreibung 1996 bis 2004/2006“, obwohl sich die Reformregelung diesbezüglich gar nicht geändert hat, nur fand sich in der 21. Auflage des Rechtschreibdudens im Eintrag zu ¹paar „ein paar Mal[e]“ ohne Hinweis auf ein paarmal als Variante und im Eintrag zu ¹Mal „ein paarmal“ ohne Hinweis auf ein paar Mal als Variante. In Zur Reform der deutschen Rechtschreibung: Ein Kompromißvorschlag findet sich „ein dutzendmal, ein Dutzend Mal(e)“ in der Spalte „Neuregelung 1996“, ein dutzendmal ist hier fehl am Platz.


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