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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Wolfram Metz zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 13.06.2024 um 13.58 Uhr verfaßt.

Die systematische Feminisierung von Stichwörtern im Duden bleibt ein großes Ärgernis. Mit Feminisierung meine ich hier einerseits die Aufnahme weiblicher Formen von Personenbezeichnungen, die man in der sprachlichen Realität so gut wie nie antreffen wird, und andererseits die – ebenfalls in Verkehrung der Dinge betriebene – Verbannung der generischen Bedeutung maskuliner Personenbezeichnungen in eine Fußnote, die so tut, als wären Kunden, Mieter, Besucher grundsätzlich Männer und nur ausnahmsweise, »in bestimmten Situationen«, auch mal Männer und/oder Frauen, wobei aber sogleich die Abschaffung auch noch dieser Ausnahme in Aussicht gestellt wird.

Die mechanischen Eingriffe in das Wörterbuch treiben bisweilen wunderliche Blüten. So stehen die angegebenen Worterklärungen in vielen Fällen jetzt im Widerspruch zu den Beispielen, die man leichtfertigerweise hat stehenlassen. Ein »Jugendlicher« ist laut duden.de eine »männliche Person im Jugendalter«, der einzige Beispielsatz dazu lautet aber: »die Veranstaltung wurde vorwiegend von Jugendlichen besucht«. Nicht einmal die glühendsten Verfechter des Genderns würden behaupten, daß hier von männlichen Jugendlichen die Rede sei. Früher führte der Duden in seinem Großen Wörterbuch der deutschen Sprache die Jugendlichen nicht unter den beiden Stichwörtern »Jugendlicher« und »Jugendliche«, sondern so: »Jugendliche, der u. die […] a) junger Mensch; jmd., der sich im Lebensabschnitt zwischen Kindheit u. Erwachsensein befindet: die Veranstaltung wurde vorwiegend von -n (von jungen Leuten) besucht; b) (Rechtsspr.) […]«. Damals paßte der Beispielsatz noch.

Früher war ein »Nachkomme« laut Duden ein »Lebewesen (bes. Mensch), das in gerade Linie von einem anderen Lebewesen abstammt«. Im Zuge des künstlichen Pushens weiblicher Personenbezeichnungen (Aquarienfreundin, Bettwärmerin, Bibliotheksbenutzerin, Dulderin, Gehirnakrobatin, Glücksritterin, Hohlglasfeinschleiferin, Konsumverweigerin, Maronibraterin, Menschheitsbeglückerin, Postsparerin, Rohproduktenhändlerin, Salonbolschewistin, Sammelbestellerin, Tierstimmenimitatorin usw. usf.) fand irgendwann natürlich auch die »Nachkommin« Eingang in das Wörterbuch. Einige Jahre lang wurde sie uns als »weibliche Form zu Nachkomme« präsentiert, aber dieser Verweis auf die männliche Form konnte nur ein Zwischenschritt sein. Heute gibt es zwei gleichberechtigte Einträge mit jeweils vollständiger Bedeutungsangabe. Die säuberliche Aufteilung in Männlein und Weiblein hat aber einen ziemlich großen Haken. Denn damit mußte auch das Wort »Mensch« in der Bedeutungsangabe ersetzt werden. Daraus wurde »männliche Person« und »weibliche Person«. Das führt zu dem kuriosen Ergebnis, daß ein Nachkomme laut Duden nun folgendes ist: »Lebewesen (besonders männliche Person), das in gerader Linie von einem anderen Lebewesen abstammt«. Wer den beschriebenen Werdegang dieses Stichworts zufällig nicht über die Jahre verfolgt hat, wird »besonders männliche Person« vermutlich so verstehen, daß »Nachkomme« nach dem Verständnis der Dudenredaktion eher auf Männer als auf Frauen bezogen wird. Aber spätestens bei der analogen Lektüre der Bedeutungsangabe beim Stichwort »Nachkommin« geht diese Rechnung nicht mehr auf, denn sie lautet: »Lebewesen (besonders weibliche Person), das in gerader Linie von einem anderen Lebewesen abstammt«. Daß man auch Männer als Nachkomminnen bezeichnen könne, wird selbst die Dudenredaktion nicht behaupten wollen (oder doch?).

Es spricht einiges dafür, daß die Betonung hier auf »Person« liegt und nicht auf »männlich«, und zwar »Person« im Sinne von »Mensch«, wie es im alten Eintrag ja noch hieß. Dann müßte man sich Tiere als Gegensatz dazudenken. (Darauf kommt man aber nicht so schnell. Für mich jedenfalls ist »Mensch« der Gegensatz zu »Tier«, nicht »Person«, auch wenn man Tiere nicht als Personen bezeichnet. Man kann in einer Worterklärung nicht einfach »Mensch« durch »Person« ersetzen, nur weil es einem aus anderen Gründen, die mit der Sache nichts zu tun haben, in den Kram paßt.) Die Bedeutungsangabe zu »Nachkommin« könnte man dann etwa so aufdröseln: Lebewesen (besonders weibliche Person), das […] = Lebewesen (besonders Mensch, und zwar weiblichen Geschlechts), das […] Da sind die Männer zu Recht nicht dabei. Allerdings würde man wohl auch keine männlichen Tiere als »Nachkomminnen« bezeichnen, weshalb man es eigentlich so auflösen müßte: weibliches Lebewesen (besonders Mensch), das […]. Bei »Nachkomme« ergibt sich nach der oben beschriebenen Lesart folgendes: Lebewesen (besonders männliche Person), das […] = Lebewesen (besonders Mensch, und zwar männlichen Geschlechts), das […] Allerdings entspricht das wieder nicht der tatsächlichen Verwendung des Wortes »Nachkomme«.

Alles ziemlich verkorkst und unbefriedigend, und nur, weil man in Mannheim zugunsten einer bestimmten Haltung den Anspruch aufgegeben hat, die Sprachwirklichkeit möglichst zutreffend zu dokumentieren.


Manfred Riemer zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 13.06.2024 um 13.34 Uhr verfaßt.

(Vorsicht, Satire!)


Manfred Riemer zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 13.06.2024 um 13.32 Uhr verfaßt.

16- und 17jährige benötigen ja für vieles noch die Zustimmung eines Erziehungsberechtigten.
Also sollten sie vielleicht auch in der Wahlkabine von einem Erziehungsberechtigten beaufsichtigt werden? Bei der Briefwahl könnte ein Erziehungsberechtigter mit unterschreiben.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 13.06.2024 um 05.56 Uhr verfaßt.

Mehrere Unionspolitiker fordern eine Wehrpflicht nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen. "Ich glaube, dass wir zwischen den Geschlechtern keine Unterscheidung mehr machen können in der heutigen Zeit", sagte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Johann Wadephul, im ZDF-Morgenmagazin. Das werde in anderen Bereichen auch nicht gemacht.
Das stimmt nicht ganz. In unserer Universitätsklinik z. B. kriegen nur Frauen Kinder, jedenfalls ab und zu. Aber das kann man auch noch aufgeben, schließlich wollen wir sie nicht zu Gebärmaschinen machen. (Wieso gibt es noch keine Feldwebelin? Sollen die Frauen - „mehr Frauen in Führungspositionen“ - gleich als Generalin oder Admiralin einsteigen (die gibt es schon lange, jedenfalls sprachlich)? Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44322



Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 13.06.2024 um 04.47 Uhr verfaßt.

„Gendern“ ist eigentlich nicht die richtige Bezeichnung für den Eingriff, der ja nicht das grammatische Geschlecht betrifft. Man sollte es „Sexualisierung“ nennen, noch genauer „Hypersexualisierung“.


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 13.06.2024 um 04.45 Uhr verfaßt.

Ja, sehr gut. Ich bin froh, daß ich mit 16 nicht wählen durfte.

Wir haben hier verschiedentlich geltend gemacht, daß die Forderung nach Herabsetzung des Wahlalters (im Koalitionsvertrag verankert), politische Wahlen wemiger ernst zu nehmen als z. B. Immobiliengeschäfte. Ich hatte gesagt, daß besonders die Grünen die Politik als eine Fortsetzung des Sozialkundeunterrichts betrachten, pädagogisch wertvoll. Aber der Staat ist nicht die Schule ("schole" = Muße), sondern die "wahrste Tragödie" (Platon). Das haben sie nun davon, und ich kann ebenfalls eine gewisse Schadenfreude nicht unterdrücken, trotz meines grünen Herzens.

Das hat übrigens nichts damit zu tun, daß viele mit 16 und 17 mehr politischen Verstand haben als viele mit 60 oder 70.


Christof Schardt zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 13.06.2024 um 00.16 Uhr verfaßt.

prophetisch, Herr Virch.


Erich Virch zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 12.06.2024 um 23.09 Uhr verfaßt.

Ich hoffe, ich habe das nicht schon einmal verlinkt: https://virchblog.wordpress.com/2021/11/30/wabernde-gefuhle/


Manfred Riemer zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 12.06.2024 um 19.11 Uhr verfaßt.

Egal, was sie wählen, aber unter 18 sind sie eben noch Kinder, Schüler, noch nicht erwachsen, weder verantwortungsbewußt genug noch können sie für ihr Tun voll zur Verantwortung gezogen werden. Deshalb kann auch ich mir die Schadenfreude nicht verkneifen, daß genau die Richtigen, die die Dummheit verzapft haben, nun den Nachteil davon haben.


Wolfram Metz zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 12.06.2024 um 18.50 Uhr verfaßt.

(»Linke« im weitesten Sinne.)


Wolfram Metz zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 12.06.2024 um 17.18 Uhr verfaßt.

Grüne und Linke fordern seit langem die Herabsetzung des Wahlalters von 18 auf 16. Eine der Begründungen: heute sind die Jugendlichen mit 16 schon so reif, daß sie endlich das Recht bekommen müssen, über die Zusammensetzung der Parlamente mitzuentscheiden. Kritische Stimmen wurden in den Wind geschlagen, der Verdacht, man wolle die eigenen Ergebnisse ein wenig verbessern, weil junge Leute ja eher links wählen, wurde empört zurückgewiesen. Jetzt, da die 16- und 17jährigen mitwählen durften und die Erstwähler (darunter eben auch diese neue Untergruppe) massenhaft bei der AfD ihr Kreuzchen gemacht haben, ist die Aufregung groß. Nun gilt es, alles herunterzuspielen. Plötzlich können die Jugendlichen die Tragweite ihrer Entscheidung noch gar nicht richtig beurteilen usw. Das ist schon sehr peinlich. Einige entrüsten sich auch über die »verkorkste« junge Generation, statt sich mal zu fragen, woher das alles kommt und ob die Älteren vielleicht was falsch gemacht haben.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 12.06.2024 um 05.21 Uhr verfaßt.

In einem Gedenkartikel der SZ für Frank Schirrmacher heißt es: "Schusterinnen und Schuster bleiben brav bei ihren Leisten." Man kann also beinahe hoffen, daß sogar Nils Minkmar sich über das Gendern lustig machen will. Aber dann geht es in der üblichen Weise weiter - auf dem Niveau, das Herr Metz gerade so treffend gekennzeichnet hat.


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